Kulturlandschaft

Zehn Dörfer, ein Übungs­platz und der Verlust von Heimat.

Bei der Errichtung und Erweiterung des Truppenübungsplatzes mussten Orte aufgegeben werden. 1907 betraf dies die Orte Quosdorf, Otterschütz und Zietsch; 1938 folgten Bohra, Krakau, Naundorf, Rohna, Sella, Steinborn und Zochau.

Landkarte des Truppenübungsplatzes Königsbrück mit den verlassenen Dörfern
Dörfer im Überblick

Zehn Orte, ihre Namen, Aussiedlungen und Spuren des Dorflebens.

Das bereitgestellte Dokument ergänzt die Seite um kompakte Fakten zu Erstnennungen, Namensdeutungen, Einwohnerzahlen, Aussiedlungen, Wiederbesiedlung, Kirchspielen und Einrichtungen der alten Heidedörfer.

Dörfer im Dokument10

Bohra, Krakau, Naundorf, Otterschütz, Quosdorf, Rohna, Sella, Steinborn, Zietsch und Zochau.

Einwohner genannt2.179

Einwohner bei der Aussiedlung.

Aussiedlungen1907 / 1938

Drei Dörfer 1907, sieben weitere Dörfer 1938.

Faktenübersicht der Dörfer

DorfErsterwähnunghistorische NamensformNamensdeutungEinwohner
Bohra1353 (1358)BorowOrt im Kiefernwald215 Einw.
Krakau1248CracoweOrt eines Krak (Krähe)478 Einw.
Naundorf1350Nuendorfneues Dorf142 Einw.
Otterschütz1493 (1509)OtterßuiczAnsiedlung am Bach198 Einw.
Quosdorf1447 (1461)Quoßdorff / KhasowDorf eines Kvas63 Einw.
Rohna1392 (1524)Ranowebener, flacher Ort302 Einw.
Sella1353 (1376)Sellende / ZaliOrt eines Sell (grün); Schmerz, Sehnsucht120 Einw.
Steinborn1378 (1418)SteinbornQuelle an Steinbergen / Steinbrunnen402 Einw.
Zietsch1248 (1363)Zeisch / ZycRodungssiedlung auf dem Waldschlag116 Einw.
Zochau1350Zcoch / SochaSiedlung durch Pfahlzäune geschützt143 Einw.
1907

Erste Aussiedlung

Bei der Errichtung des Truppenübungsplatzes wurden Quosdorf, Otterschütz und Zietsch aufgegeben.

QuosdorfOtterschützZietsch
1938

Erweiterung des Übungsplatzes

Für die Erweiterung auf etwa 7.500 ha fielen sieben weitere Dörfer zum Opfer.

BohraKrakauNaundorfSellaRohnaSteinbornZochau

Wiederbesiedlung nach 1945

KrakauJuli–August 1945
BohraSeptember 1945–Oktober 1947
SteinbornJuli 1945–Oktober 1947
Naundorfab August 1945 bis heute

Kirchspiele und Zugehörigkeiten

Parochie Ponickau

Böhlau, Lüttichau, Naundorf, Rohna

Parochie Krakau

Bohra, Otterschütz, Quosdorf, Röhrsdorf, Sella, Steinborn, Zietsch, Zochau

Dorfleben: Verwaltung, Schulen, Mühlen, Gasthöfe

Die letzten Bürgermeister

Bohra
Paul Golbß
Krakau
Johannes Böhme
Naundorf
Otto Zumpe
Otterschütz
Friedrich Förster
Quosdorf
Friedrich E. Jätzold
Rohna
Max Petschel
Sella
Paul Freudenberg
Steinborn
Otto Hommel
Zietsch
Ernst Höntsch
Zochau
Max Müller

Einrichtungen

Schulen

Krakau, Otterschütz, Rohna, Steinborn

Mühlen

Bohra, Krakau (Grahl, Noack), Otterschütz, Rohna

Gasthöfe

Bohra, Krakau (Müller, Freudemann, Noack), Naundorf, Otterschütz, Rohna, Steinborn, Zietsch

Jagd- und Forsthäuser

Bohra – Moritzgrund, Krakau – Forsthaus, Rohna – Forsthaus

Von diesen Dörfern „überlebte“ nur Naundorf, das nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem Bereich des Truppenübungsplatzes ausgegliedert und neu besiedelt wurde. Insgesamt mussten etwa 2.200 Menschen ihre Heimat aufgeben.

Animation

Animation der verlassenen Dörfer.